– Ich habe sieben Jahre lang die Bündner Denkmalpflege geleitet und war die letzten 2-3 Jahre mit den gleichen Vorgesetzten konfrontiert wie Stephan Kunz. Als Denkmalpfleger war ich angesichts einer enormen Aufgabe im Riesenkanton absolut angewiesen auf guten Rückhalt bei meinen Vorgesetzten.

– Im Amt für Kultur herrschte aber damals – und herrscht heute – die reine Willkür. Ich habe ein neues Wort gelernt, nicht Mobbing sondern Bossing.

– Der Arbeitsallag gestaltet sich unerträglich, wenn aus Nichtigkeiten grosse Dramen gestrickt werden – und diese den Betroffenen jahrelang um die Ohren geschlagen werden.

– Die Zahl auffälliger Personalabgänge in Amt für Kultur ist enorm hoch über die letzten Jahre. Ich frage mich, ob sich der Kanton als Arbeitgeber das leisten kann. Das knickt die Motivation der Leute, kostet Geld, bedeutet Verlust an Know-how – Graubünden ist sowieso schon gefährdet für Brain-drain.

– Überall gibt es Ombudsstellen, Schutz für Whistle-blowing, Transparenz in der öffentlichen Verwaltung etc.– aber nicht in Graubünden. Das ist rückständig.

– Es wäre höchste Zeit diese Missstände zu beheben, zum Vorteil des Kulturkantons Graubünden. Aber es gibt ein System, wo man sich nicht gegenseitig in die Suppe spuckt. Viele stehen seit Jahren in der Verantwortung: der Stellvertreter im Amt für Kultur, das Personalamt, das Departement Jäger, Jägers Partei, die Gesamtregierung.

– Für Graubünden steht schon etwas auf dem Spiel, nicht allein die Investition ins Kunstmuseum und das Image als Kulturkanton… Denn diese Omerta funktioniert wirklich – es will niemand etwas gesagt haben. Das hängt schon mit den überschaubaren Verhältnissen zusammen. In Chur kann man nirgends hingehen, ohne dauernd seinem Arbeitsumfeld zu begegnen. Das kann sehr familiär und positiv sein – aber nur solange es keine offenen Konflikte gibt.

Marcus Casutt, Denkmalpfleger in Luzern